Yoga Journal 01 2011: Frauenpower

Das Verhältnis von Frauen zu Männern in den Yogaklassen liegt im Schnitt bei 7:3. Deshalb bemühen sich Studios und Medien immer wieder, mehr Männer in die Klassen zu locken. Das Yoga Journal schlägt jetzt die Gegenrichtung ein und fragt sich: Vielleicht ist ja modernes Yoga Ausdruck einer spezifisch weiblichen Spiritualität? Außerdem in der aktuellen Ausgabe: Yoga sucht die Nähe zur DJ-Kultur. Wir haben für das Yoga Journal aufgeschrieben, warum das so ist.

Es sei T. Krishnamacharya gewesen, der die patriachale Ordnung Indiens ignorierte und anfing, auch Frauen zu unterrichten. Frauen hätten die gleichen Rechte wie Männer, so das Argument. Spiritualität hebt sich hier über gesellschaftliche Konventionen; ein erster Schritt, den Schatz des Yoga von regionalem Kolorit zu befreien und zu einem globalen Phänomen zu machen. Damit verlor Yoga auch seinen männerbündlerischen Charakter. Und vielleicht ging auch etwas von der mystischen Aura verloren, die elitäre Zirkel, die ein bestimmtes Wissen für sich behalten, immer umweht. Gut so. Religionswissenschaftlerin Diana Krebs betrachtet die Yogageschichte unter dem weiblichen Gesichtspunkt und stellt fest, dass das Tantra im Mittelalter in der Geschichte des Yoga eine Wende einleitet, die im „krassen Gegensatz“ zu den Lehren der Brahmanen stand: „Der Körper war nicht mehr Hindernis auf dem Weg zur Erleuchtung, sondern vielmehr eine Manifestation von Shakti, der göttlich-femininen Kraft in ihren mannigfaltigen Erscheinungen“, schreibt sie. Tantra ist vielleicht nicht gerade der „Vorläufer“ des Hatha-Yoga, wie sie schreibt – aber ohne Zweifel der wesentliche Impuls bei der Weiterentwicklung des klassisch-philosophischen Yoga. Die Hinwendung zum Körper schließt die Bewältigung des Alltags mit ein; Beruf und Familie zu vereinen, im Stress trotzdem cool, achtsam und liebevoll zu bleiben: „Weibliche Spiritualität ist Alltagsspiritualität“.

Entsprechend kommen in dieser Ausgabe einige Frauen zu Wort, unter anderem auch Ana Forrest in einem schönen Interview. Schwangeren-Yoga und Geburtserlebnisse werden hier zu einem Privileg, deren Intensität wir Männer (der Herausgeber Michi Kern zum Beispiel oder ich, der das gerade schreibt) nur erahnen können. Allein die Natur zwingt Frauen, „Verbindung zu schaffen“, in diesem Falle über den Körper, was im Kern Hatha-Yoga anstrebt.

Die nachweislich gute Wirkung von Meditation scheint derzeit das Lieblingsthema der Medien zu sein. Kürzlich fasste Physiologie-Professor (Cambright, Oxfort und Heidelberg) Johann Caspar Rüegg in der Frankfurter Rundschau die jüngsten Forschungsergebnisse zusammen. Wie auf yogaservice.de berichtet, erhöhen sich beispielsweie durch 20 Minuten täglicher Meditation die Zahl der grauen Zellen. Das ist die aktuellste Nachricht aus dem Forschungsbetrieb, was das Thema Meditation in den normalen Medien wohl auch so hoffähig macht. Für das Yoga Journal hat die Journalistin Silvia Schaub einen schön klaren und schnörkellosen Artikel dazu geschrieben. Ihr Einstieg macht die Brisanz des Themas klar: „Acht von zehn Deutschen finden ihr Leben stressig. Jeder Dritte steht laut einer Studie der Techniker Krankekasse kurz vor einem Burn-out. Sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm und sieht im Stress eine der größten Gesunheitsrisiken des 21. Jahrhunderts." Lesenswert! Danach hat man auch Lust auf das Interview mit Dieter Kosslick, der als Chef der Berlinale sicherlich einen ausgefüllten Arbeitstag hat – sich mit Yoga, Meditation und Slow Food aber buchstäblich den Stress vom Leib hält. Ein Mann der Praxis gewährt den Blick in sein Nähkästchen.

Ruhe und Frieden verbindet man gerne mit Meditation in stiller Umgebung oder Spaziergängen in der Natur. Da mag es zunächst einmal abwegig klingen, dass in einigen der innovativsten Großstadt-Yogastudios eine neue Form des gemeinsamen Übens entsteht: Asana und Meditation mit Musik vom DJ und professionellem Lichtdesign. Was ist der Hintergrund? Wir haben uns umgehört, sprachen mit den Akteuren der Jivamukti-Szene wie Anja Kühnel aus Berlin, Frank Schuler, der den „Nightflight“ in Köln erfunden hat, Ex-Clubbesitzerin Katja Pasquini, die den „Nightflow“ in Frankfurt am Main auf die Beine stellte und trafen uns sogar mit Loveparade-Gründer Dr. Motte. Und wir fanden dabei gute Gründe für die Crossculture von Yoga und Clubbing. Wir schrieben daraus einen langen Beitrag für das Yoga Journal, den ihr im neuen Jahr auch auf yogaservice.de lesen können werdet. Und natürlich stammt auch das yogawiki wieder von uns, diesmal über die Bedeutung von „Kriya“. 

Das Heft kostet 4,50 Euro. Viel Spaß beim Lesen.

tis

 

Preis: 
€4.50
Ausführung: 
Magazin
Verlag: 
Piranha Verlag

Zum Thema

Inhalte vorherigen Ausgaben des Yoga Journal

Das Yoga-Lexikon: Yogawiki

Weitere Yoga-Themen