Ruhige Stimme: Yoga gegen Lampenfieber

Stimmtraining für Anfänger. „Langsam ausatmen, Schultern locker, Kiefermuskeln entspannen“ – das kommt dir bekannt vor? Richtig: Anweisungen aus dem Yoga-Unterricht. Diese Übungen helfen auch Sängern, Rednern und Yogalehrern bei Lampenfieber und Rede-Stress. Claudia Wiese nennt Tricks und Übungen, wie du dich mit deiner Stimme in „Einklang“ bringst.

Schon bevor es überhaupt losgeht, kannst du einiges tun, um dein „Stimm-Werkzeug“ vorzubereiten: die Lippen ausblasen, die Gesichtsmuskeln massieren, die Kiefermuskeln bewegen. Undeutlichkeit in der Aussprache entsteht fast immer durch Festhalten und Verspannung im Kiefergelenk. Ausgiebiges Gähnen ist ebenfalls super. Noch besser: herzliches Lachen. Oder Du probierst es mit der Pranayama-Übung Bhramari: sanftes Summen, so dass deine Lippen vibrieren. Und natürlich kann auch ein „Oooooom“ dir helfen – sogar, wenn du es dir nur vorstellst. Kaffee und säurehaltige Getränke führen übrigens oft dazu, dass dein Mund trocken wird. Auch Schokolade solltest du kurz vor dem Auftritt vermeiden, weil sie viel Speichel produziert. Besser ist stilles Wasser.

Was aber tun gegen Lampenfieber? Vor einer neuen Gruppe und erst recht in einer Prüfungssituation fällt es Anfängern womöglich schwer, die Stimme ruhig und entspannt klingen zu lassen. Zunächst ist es wichtig, dir klarzumachen, dass niemand deine Aufregung so stark bemerkt wie du selbst. Niemand kennt deine Stimme besser, niemand bemerkt die kleinen Schwankungen so sehr – und wenn du inhaltlich interessant bist, wird sich auch niemand an kleinen Unsicherheiten stören.

Um wirklich da zu sein, um von innen heraus strahlen zu können (auch, wenn dir vielleicht gar nicht danach zumute ist) hilft dir eine gute Körperspannung. Probier das mal aus: kurz bevor du zu reden beginnst, kneifst du für einen winzigen Moment die Gesäßmuskeln zusammen. Oder du setzt nach dem Ausatmen Mula Bandha. Im Sitzen kannst du alternativ für einen kurzen Moment die Schulterblätter zusammen zu ziehen. Vor allem aber: Atme aus!

Präsenz – das ist der Schlüsselbegriff bei jeder Art von Vortrag oder Unterricht. Viele Faktoren tragen zu deiner Wirkung bei: die Körperhaltung, welche Kleidung du trägst, ob dein Gesicht entspannt ist und ob deine Augen leuchten. Und die Stimme hat eben auch einen großen Anteil. Der Grund:  Du siehst dich ja normalerweise beim Sprechen nicht – aber du hörst dir immer selber zu! Und erst recht kommt es auf die Stimme an, wenn auch deine Zuhörer dich nicht sehen, weil sie gerade ganz auf sich selbst konzentriert kopfüber Herabschauenden Hund hängen...

Claudia Wiese

Foto: @ Max Blain

Zum Thema

Als Radiojournalistin (WDR) und Yogalehrerin hat Claudia Wiese ein besonderes Verhältnis zur Stimme. Man kann sie auch auf den kostenlosen, 20-minütigen Yogapodcasts hören, die sie und ihr Mann Michael einmal im Monat produzieren.

Yogaklassen von Claudia Wiese bei YogaYa-Studios.