Praxisbericht: TriYoga Flows mit Kali Ray

Kali Ray, die Begründerin des TriYoga Flows, war am 24. August in Berlin und leitete einen dreistündigen Workshop an. Das Studio TriYoga Berlin organisierte die Begegnung eher im Stillen für die eigenen Schüler, entsprechend intim – und intensiv – war die Veranstaltung mit knapp 20 Teilnehmern. Petra Schönenberg war für yogaservice dabei.

Die strahlende, ganz in orange gekleidete Kali Ray begann den Workshop mit den Worten: „Life comes in waves. Even the spine is a wave.” Sie nennt diese Wellen „Flow“ und beschreibt sie als universale harmonische Energie, die sich in jeder Existenz in dreifacher Form manifestiert. Im Hatha-Yoga sind es körperliche Übungen (Asana), Atemübungen (Pranayama) und bestimmte Handstellungen (Mudra), die die universale Energie erwecken, ausbalancieren und ungehindert als Eines fliessen lassen. Die alten Yogis sahen die Dreieinigkeit in ihrer Gottheit Trimurti in Form von Brahman, dem Erschaffer, Vishnu, dem Erhalter und Shiva, dem Zerstörer. Die Drei manifestieren sich auch in weiblicher Form als Sarasvatī für das Wissen, das im Mantra AIM angesprochen wird, Laksmi für Glückseligkeit, besungen mit dem Mantra SHRIM und Kali. Sie steht für Reinigung, ihr Mantra ist Rim. Soweit die theoretische Grundlage

In der Tat sind die fließenden, oft wellenartigen Übergänge von einer Yogastellung in die folgende das Charakteristische an dem 1980 gegründeten Stil. Durch die Verbindung von Bewegung, Pranayama und Mudras ist es möglich, immer intensiver in die Flows einzutauchen und zur eigenen Mitte zurückzufinden. Achtsamkeit und Konzentration, Stärke und Flexibilität sind gleichermaßen gefordert. Kraft und Kontrolle loszulassen, kombiniert mit Achtsamkeit in der Bewegung, wofür Kali die Formel “economy of motion“ verwendet führt so zur Entspannung in der Bewegung, im Original: „relaxation in action“.

Da die Entstehung des TriYoga Flows ebenso erstaunlich wie hinlänglich bekannt und überall nachzulesen ist, blickte ich mit Spannung der Begegnung mit der als Swamini in der Ayalakshmi Datta Avadhoota Linie Initiierten entgegen.

Der Workshop fing mit Chanten an, wir sangen OM GAM GANAPATHAYE NAMAHA und DURGA SHAKTI MA. Dann fanden wir in die Yoga Praxis mit einfachen Flows aus halben Liegestützen („cat’s bow“), halben Ausfallschritten („half runner“) und Ausfallschritten („extended runner“).

Foto: Kali Ray im "runner"

Jeder Flow wird mindestens fünf Mal wiederholt. Ungewohnt für weniger TriYoga-Erfahrene sind die englischen Bezeichnungen („mountain“ für den "Herabschauenden Hund", „monkey“ für die "stehende Vorbeuge") und das Hantieren mit Blöcken, Kissen und Decken. Die Bewegungen werden langsam und fließend ausgeführt. Ich hatte den Eindruck, dass die Ausrichtung weniger wichtig war als die Koordination der Bewegung. Ein Senior Teacher von Kali Ray ging durch den Raum und gab hier und da Anweisungen. Kali Ray beobachtete und praktizierte flankiert von zwei fortgeschrittenen Schülern auf ihrer Matte.

Foto: Kali Ray im "extended mountain"

Nach dem Warm-up ging es dann flott in den Spagat (Hanumanasana), der optional zum halben Hanumanasana angeboten wurde. Es folgen Königstaube (Eka-Pada-Kapotasana) mit verschiedenen Arm-Variationen, einen Halben Drehsitz (Ardha-Matsyendrasana II) Variation kombiniert mit der Atemtechnik Kapalabhati, dann eine   Schulterbrücke (Setu Bandha) mit Unterstützung und eine abschliessende liegende Drehung. Yoga Nidra wurde in Supta Baddha-Konasana (Liegender Schmetterling) angeleitet. Die Zeit verging im Flug, nach dem Warm-up wurden die Stellung mit Hilfsmitteln lange gehalten. Der Workshop endete mit Wechselatmung (Nadi-Shodhana-Pranayama) und einer Meditation.

Während der Meditation wagte ich einen Blick auf Kali Ray und sah sie in zuckenden Bewegungen und Hand-Mudras ausführend mit einem seligen Lächeln auf dem Gesicht im Lotussitz. War das die Kundalini Shakti Energie, die vor über 20 Jahren in ihr aufgestiegen war und ihr die Flows offenbart hatte?, fragte ich mich. Und Kali Ray ließ mich zurück mit dem unergründlichen und immerwährenden Lächeln im Gesicht.

Petra Schönenberg