Pratyahara

Pratyahara, (m., sanskrit), wird oft mit „Rückzug der Sinne“ übersetzt. Pratyak ist das Innere. Viele Yogaklassen beginnen mit der Aufforderung zum Pratyahara: die Aufmerksamkeit von äußeren, profanen Dingen abzuziehen und nach innen zu lenken.

Häufig wird der Begriff auch als Zusammensetzung aus „ahara“ für Nahrung oder „etwas, was wir uns von außen zuführen „und „prati“ für „gegen“ erklärt. David Frawley übersetzt Pratyahara damit als „Beherrschung des Äußern“ oder „Meisterung äußerer Einflüsse“. Er ist die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit zu lenken und damit die Voraussetzung für Dharana, die Fähigkeit unsere Konzentration ununterbrochen auf ein Objekt zu lenken. „Wenn die Sinne nicht allzu leicht von äußeren Objekten gelenkt werden, werden sie gereinigt und das Innenleben gewinnt an Kraft“, schreibt R. Sriram.  Im >Yogasutra von >Patanjali bildet Pratyahara die fünfte Stufe des Achtgliedrigen Weges (>Ashtanga). Er kann, wie die ersten vier Stufen >Yama (Zwischenmenschliches Verhalten), >Niyama (Lebensführung), >Asana (Körperhaltung) und >Pranayama (Atemführung), willentlich ausgeführt werden. Damit unterscheiden sich diese von den anderen drei Stufen, >Dharana, >Dhyana (Stille Reflektion) und >Samadhi  (vollkommene Erkenntnis), die sich im meditativen Zustand spontan einstellen. Da der Geist im Yoga als sechster Sinn gilt, empfehlen manche Yogalehrer, im Pratyahara den Geist auf den Raum zwischen zwei Gedanken auszurichten. Die Kraft dazu schöpft der Yogi laut B.K.S Iyengar >Bhakti, der Hingabe.

 

Literatur

„Patanjali – Das Yogasutra“, R. Sriram

„Pratyahara – Der vergessene Zweig des Yoga“, David Frawley, Yoga aktuell

„Licht auf Yoga“, B.K.S. Iyengar