Patanjali

Patanjali lebte zwischen 150 vor und 200 nach Christi Geburt. Der mythische Verfasser des Yogasutra wird in Indien als Gelehrter der Medizin (Ayurveda), Grammatik und Yoga-Philosophie verehrt. Allerdings lässt sich fast nichts über ihn als historische Person wissenschaftlich belegen.

Ob er auch der gleichnamige Verfasser des Mahabhasya ist, ein Buch der Sanskrit-Grammatik, ist umstritten. Als sein Geburtsort wird der Koneshwaram Temple an der Ostküste Sri Lankas verehrt. Der Legende nach war seine Mutter Gonika eine Tapasvini, also eine unverheiratete Frau, die streng asketisch lebte. Sie wünschte sich im Gebet einen gelehrigen Schüler. Da fiel eine Schlange in ihre Hände, die sich in den jungen Patanjali verwandelte. Diese Legende erklärt zum einen den Namen aus „pata“, sanskrit für fallen, und „anjali“, dem Sanskritwort für die zur Ehrerbietung vor dem Brustbein zusammengelegten Hände. Zum anderen wird Patanjali als Heiligenstatue häufig auf einer zusammengerollten Schlange sitzend dargestellt, in vielen Darstellungen beugen sich fünf Kobras über seinen Kopf. Obgleich Yoga zu Patanjalis Lebzeiten schon längst erfunden war, gilt er als „Urvater“ des Yoga. Sein Verdienst war es, das Yogawissen seiner Zeit in 195 Versen zusammenzufassen. Sein areligiöses, philosophisches und vielfach kommentiertes Yogasutra teilt sich in vier Kapitel, wobei die letzten Verse des zweiten und die ersten Verse des dritten Kapitels als eigenständiger Teil weltberühmt wurden. Er beschreibt den achtgliedrigen Weg, den Ashtanga, der zum Zustand des Yoga führt.

 

Literatur

Der Stammbaum des Yoga (5000 Jahre Yoga – Tradition und Moderne). Mathias Tietke

Yoga-Philosophie-Atlas. Eckard Wolz-Gottwald