Langer Atem: Yoga mit Swami Sivadasananda

Swami Sivadasananda ist Yoga Acharya, Meisterschüler von Swami Vishnudevananda und dazu einer der herausragenden Namen der europäischen Sivananda-Szene. An diesem Wochenende in München wird für einen zweitägigen Asana-Workshop gastieren. Yogalehrerin Martina Klein besuchte vor zwei Monaten einen vergleichbaren Workshop mit inspirierendem Satsang. Hier ihr Bericht.

Die Workshops dauerten jeweils zweieinhalb Stunden. Der Theorieteil war so in den Workshop integriert, so dass wir viel Zeit für die Praxis hatten. Die Atmosphäre in der mit rund 55 Schülern randvoll gefüllten Yogahalle war hoch konzentriert, es wurde aber auch viel gelacht. Dieser Mix aus fesselnder Konzentration und vielen erheiternden Elementen gilt als charakteristisch für den dynamischen Unterrichtsstil von Swami Sivadasananda. Außerdem ist er für sein breites Wissen rund um Physiologie und Anatomie bekannt.

An beiden Tagen ging es insbesondere um die Wirkungen von Asanas, Pranayama und Savasana auf das Nervensystem. Swami Sivadasananda betonte die große Bedeutung der Anfangsentspannung (Savasana). Bei unserer ausgedehnten Entspannung zu Beginn erfuhren wir, wie man über das tiefe Atmen Ruhe ins Nervensystem bringen kann. Gerade das bewusste Lösen der Ein- und Ausatmung sei so wichtig, um das Nervensystem von Anfang an in die Praxis zu integrieren, so der Swami.

Das Gleiche galt für Surya Namaskara, den Sonnengruß. Auch hier richteten wir unsere Aufmerksamkeit darauf, wie sich das Nervensystem anfühlte und wie der Geist darauf reagierte. Swami Sivadasananda erklärte, dass sich die Transformation innerhalb der Qualitäten der Natur anhand der Übungsfolge erfahren lässt: von Tamas, dem Schweren, Trägen, über Rajas, dem Treibenden ins Sattva, dem Lichten, Klaren. Ziel war es, in der Position Zwölf, dem aufrechten Stand, geistig vollkommen aus dem Ablauf der vorhergehenden Stellungen rauszugehen. Zwölf Sonnengebete mit diesem Fokus waren eine besondere Erfahrung, die allerdings durch die nachfolgende Zwischenentspannung im Savasana getoppt wurde: Hier durfte ich einen vollends gleichmäßigen Luftstrom beobachten. Die Einatmung war ein perfektes Spiegelbild der Ausatmung. Das Gleichgewicht und die zu spürende Harmonie waren vollkommen.

Am ersten Tag praktizierten wir die 32 klassischen Asanas aus der Gheranda Samhita, der zweite Tag stellte die geistigen Wirkungen der zwölf Grundstellungen in den Fokus. Das sind Kopfstand (Sirshasana), Schulterstand (Salamba Sarvangasana), Pflug (Halasana), Fisch (Matsyasana), sitzende Vorbeuge (Pashimottanasana), Kobra (Bhujangasana), Heuschrecke (Salabhasana), Bogen (Dhanurasana), Halber Drehsitz (Ardha Matsysendrasana), Krähe (Kakasana oder Bakasana), stehende Vorbeuge mit Griff an die großen Zehen (Pada Hasthasana) und Dreieck (Trikonasana). Grundsätzlich würden Asanas weder eine psychologische noch eine philosophische, sondern lediglich eine physiologische Grundlage verlangen, erklärt Swami Sivadasananda. Die Asana an sich sei nicht das Konzentrationsobjekt; in erster Linie sei vielmehr der Fokus auf die Muskeln gerichtet. Im Asana schickt der Übende den Nervenimpuls in den Muskel. Über diesen Impuls leitet er auch geistige Energie dorthin. Nervenimpuls wie geistige Energie sollten beim Verlassen der Asana wieder zurückgenommen werden. Über das Nervensystem werde Prana aktiviert, welches daraufhin zum Geist fließe. Das Ziel bestünde immer darin, vom Tamas über das Rajas ins Sattva zu gelangen - psychisch wie physisch.

Der zweite Workshoptag endete mit Pranayama. Auf drei Runden fortgeschrittenes Feueratmung (Kapalabhati) folgten zwölf Runden Wechselatmung (Anuloma Viloma, Anm. der Red: ähnelt dem Nadi Sodhana anderer Stilrichtungen). Pranayama nach den Asanas ist ein besonderes Erlebnis; nicht nur, weil man noch entspannter ist als vorher, sondern auch weil man den Atem um einiges länger anhalten kann. Die Ruhe und Gleichmäßigkeit im Atemfluß erfahren wir intensiv im anschließenden  Savasana. Und hatte ich am Anfang der Stunde immer gleichmäßig drei Take ein- und drei Takte ausgeatmet, so atmete ich jetzt konstant auf sechs ein und auf sechs wieder aus...Der Atemfluss war erneut in einem vollkommenen Gleichgewicht und hatte sich verdoppelt.

Martina Klein

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Swami Sivadasananda unterrichtet in den Sivananda-Yogalehrerausbildungen weltweit und ist einer der Leiter der Internationalen Sivananda Yoga Vedanta Zentren. Er gibt an diesem Wochenende, 6. und 7. Februar, seinen Asana-Workshop im Sivananda Yoga Vedanta Center in München.

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