Asana des Monats: Vrishchikasana

Die nach dem Skorpion benannte Yogahaltung „Vrishchikasana“ erinnert an die Drohhaltung des Tiers: Es nimmt eine Abwehrhaltung ein, stellt seinen Stachel auf und ist bereit, sein hochpotentielles Gift einzusetzen. Wie uns Vrishchikasana dabei helfen kann, sich mit Gefühlsbewegungen und schmerzhaften Emotionen auseinanderzusetzen, erläutert Yogalehrer Detlev Alexander.

Wenn wir diese Yogahaltung anschauen, berührt die Praktizierende mit ihren eigenen Füssen den Kopf. Nach B.K.S. Iyengar gilt unser Kopf nicht nur als Sitz von Intuition, Erkenntnis und Weisheit, sondern auch als Sitz von schmerzhaften Emotionen wie Verblendung, Ärger, Stolz und Eifersucht, die wir meist entweder unterdrücken oder ausagieren. Durch diese gewohnheitsmässige Reaktion entsteht Leid.

Im Yoga sowie im Buddhismus werden schmerzhafte Emotionen auch als Geistesgifte beziehungsweise Kleshas bezeichnet. Kleshas geben uns das Gefühl, als wäre unser Geist außer Kontrolle, als würden wir am Haken einer starken Emotion zappeln. Als die drei stärksten Gifte gelten Unwissenheit, Anhaftung und Ablehnung. Danach folgen Stolz und Lebensdrang. Wir alle haben schon Erfahrungen mit diesen Gefühlen gemacht und kennen die schmerzhafte Empfndung an ihrem Haken zu hängen; sie können uns förmlich lähmen.

Die beste Methode, mit diesen Gefühlen zu arbeiten, ist die Geistesgifte als Medizin zu erkennen und zu unserem Erwachen zu nutzen. Wir können das innere Gefühlschaos als Teil von uns sehen. Wir müssen uns nicht vor unseren sogenannten negativen Seiten schämen. Statdessen können wir uns mit den schmerzhaften Emotionen anfreunden, ohne mit ihnen zu kämpfen, ohne sie loswerden zu wollen. Alles Rohmaterial unseres Lebens kann als Arbeitsgrundlage verwendet werden. Yoga bedeutet letztendlich, alles zu integrieren.

Viel Glück!

Detlev Alexander