Asana des Monats: Vorbeuge und Ehrlichkeit

Beim Üben ertappen wir uns manchmal dabei, uns (und den Mattennachbarn) etwas vormachen zu wollen, zumindest ein bisschen. Zum Beispiel wenn wir in der sitzenden Vorbeuge unbedingt mit der Nase das Knie berühren wollen. Deshalb bietet Pashchimottanasana eine wunderbare Gelegenheit, Ehrlichkeit uns selbst gegenüber zu praktizieren, findet Detlef Alexander in unser neuen Asana des Monats. 

Pashchima bedeutet wörtlich „Westen“ und bezieht sich auf die gesamte Rückseite des Körpers, vom Kopf bis zu den Fersen. Uttana bedeutet „intensive Dehnung“. Und Asana heisst „Sitz" oder „zu sitzen mit etwas“.

In Pashchimottanasana wird die gesamte Rückseite des Körpers gestreckt und die Hände greifen die Füsse. Falls die Rückseiten der Oberschenkel verkürzt sind, empfiehlt es sich, auf einer gefalteten Yogadecke zu sitzen und einen Gurt um die Füsse zu schlingen.

Auf diese Weise integrieren wir Satya in unsere Yogapraxis. Satya bedeutet Wahrhafigkeit oder Ehrlichkeit und gehört zu den fünf ethischen Grundprinzipien, die im Yogasutra von Patanjali erwähnt werden. Wenn wir nun in Pashchimottanasana aggressiv an unseren Füssen ziehen oder unseren gerundeten unteren Rücken ignorieren, um tiefer in das Asana zu gelangen, praktizieren wir nicht wirklich Satya. Satya in unserer Yogapraxis einzubeziehen bedeutet, angemessen auf unserem Niveau zu praktizieren. Es bedeutet, die gesamte Körperhaltung und vollständige Situation, in der wir uns befinden, zu sehen und anzuerkennen.

Wir können Satya auch in unserem Alltag anwenden, beispielsweise durch Enthaltsamkeit von unnötigem Geschwätz. Auch die Reflexion, ob wir ein gegebenes Versprechen halten können oder nicht, kann ein Ausdruck von Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit im Umgang mit unserer Sprache sein.

Viel Glück!

Detlev Alexander